Warum du die Dinge aufschiebst, die dein Business voranbringen würden
Wenn du dich schon einmal gefragt hast, warum du trotz guter Ideen, klarer Ziele und ausreichend Wissen immer wieder ins Aufschieben gerätst, dann bist du nicht allein.
Viele Frauen beschreiben dieses Muster zunächst als Prokrastination im Business. Sie haben das Gefühl, ständig beschäftigt zu sein und trotzdem nicht wirklich voranzukommen. Obwohl sie genau wissen, welche Schritte ihr Business voranbringen würden, verschieben sie sie immer wieder auf morgen.
Vor einigen Tagen saß ich mit drei anderen Frauen aus meinem Business-Pod zusammen. Wir sprachen darüber, woran jede von uns gerade arbeitet, welche Projekte anstehen und was uns möglicherweise davon abhält, den nächsten Schritt zu gehen.
Eine der Frauen erzählte, dass sie bestimmte Aufgaben seit Wochen vor sich herschiebt. Ausgerechnet die Aufgaben, von denen sie wusste, dass sie ihr Business tatsächlich voranbringen würden: sichtbarer werden, Content veröffentlichen, Entscheidungen treffen und ihr Angebot nach außen tragen.

Während sie sprach, fiel mir etwas auf.
Sie beschrieb immer wieder ein Gefühl von Überforderung. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass es im Außen eigentlich noch gar nichts gab, das dieses Gefühl erklärt hätte. Weder stand ein großer Launch bevor, noch war ihr Kalender außergewöhnlich voll oder ihr Business an einem Punkt angekommen, an dem die Anforderungen besonders hoch gewesen wären.
Und genau das machte unser Gespräch so spannend.
Überforderung beginnt oft früher, als wir glauben
Häufig gehen wir davon aus, dass Überforderung eine unmittelbare Reaktion auf das ist, was gerade in unserem Leben passiert. Das stimmt manchmal. Genauso häufig entsteht sie jedoch schon lange bevor es überhaupt etwas gibt, das uns tatsächlich überfordern könnte.
**Wenn du tiefer verstehen möchtest, warum Überforderung häufig weniger mit deinem Terminkalender als mit deinem Nervensystem zu tun hat, findest du in meinem Artikel „Überforderung erkennen und stoppen – Wie du dich selbst aus der Stress-Spirale befreist“ eine ausführlichere Erklärung dazu, warum unser Körper oft schneller reagiert als unser Verstand.
Je länger wir miteinander sprachen, desto deutlicher wurde, dass ihre Überforderung nicht durch ihre aktuelle Situation ausgelöst wurde. Ihr Körper reagierte auf etwas, das noch gar nicht eingetreten war.
Auf die Vorstellung, sichtbarer zu werden.
Auf die Möglichkeit, dass mehr Menschen sie sehen würden.
Auf die Verantwortung, die mit Business-Wachstum einhergehen könnte.
Auf die Aufmerksamkeit, die Erfolg möglicherweise mit sich bringt.
Plötzlich ergab alles Sinn.
Dieses Muster begegnet mir in meiner Arbeit immer wieder. Viele Frauen fühlen sich bereits von einem möglichen Wachstumsschritt überfordert, obwohl zusätzliche Kundinnen, größere Sichtbarkeit oder mehr Verantwortung noch gar nicht Realität sind.
Ihr Körper reagiert dabei nicht auf die Zukunft selbst. Er reagiert auf eine alte Erfahrung, die durch die Vorstellung von Wachstum, Sichtbarkeit oder Erfolg wieder aktiviert wird.
Genau deshalb beginnt häufig die Vermeidung. Das hat nichts mit mangelnder Disziplin zu tun. Vielmehr versucht ihr Nervensystem, sie vor einem Gefühl zu schützen, das es bereits aus der Vergangenheit kennt und damals nicht vollständig verarbeiten konnte.
Warum sich genau daraus häufig das Gefühl entwickelt, Erfolg nicht halten zu können, und weshalb Business-Wachstum letztlich mehr mit innerer Kapazität als mit Strategie zu tun hat, beschreibe ich ausführlicher in meinem Artikel „Warum dein nächstes Einkommenslevel mehr mit Kapazität als mit Strategie zu tun hat.“
Denn unser System reagiert häufig nicht auf das, was gerade tatsächlich geschieht, sondern auf das, was es aus früheren Erfahrungen als bedrohlich abgespeichert hat.
Wenn Wissen nicht das Problem ist
In den letzten Jahren ist mir immer wieder aufgefallen, dass viele Unternehmerinnen genau an diesem Punkt beginnen, an sich selbst zu zweifeln. Obwohl sie bereits unglaublich viel in ihre persönliche und berufliche Entwicklung investiert haben, fragen sie sich, warum sie nicht ins Tun kommen, weshalb sie bestimmte Dinge immer wieder aufschieben und warum sie trotz all ihres Wissens das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten.
Dabei stehen die meisten längst nicht mehr am Anfang ihrer Reise. Sie haben in Coachings investiert, Ausbildungen absolviert, Bücher gelesen, Programme besucht und sich intensiv mit ihrem Business beschäftigt. Sie kennen ihre Zielgruppe, haben ein Angebot entwickelt und häufig bereits eine ziemlich klare Vorstellung davon, wohin sie ihr Business führen möchten.
Gerade deshalb ist die Frustration oft so groß.
Denn wenn Wissen das Problem wäre, ließe sich dieses Problem vergleichsweise einfach lösen. Dann würde die nächste Strategie, die nächste Anleitung oder der nächste Kurs tatsächlich den entscheidenden Unterschied machen.
Doch genau das erlebe ich häufig nicht.
Die Unternehmerin weiß oft sehr genau, welche Schritte als Nächstes anstehen würden. Sie weiß, dass mehr Sichtbarkeit hilfreich wäre. Sie weiß, dass ihr Angebot häufiger ausgesprochen werden darf. Sie weiß, dass ein Beitrag veröffentlicht, ein Video aufgenommen oder eine Entscheidung getroffen werden müsste, um die sie schon seit Wochen herumkreist.
Und trotzdem scheint etwas in ihr auf die Bremse zu treten.

Nicht bewusst, es ist ehr ein unbewusstes Ablenkungsmanöver, das dafür sorgt, das wir nicht dadurch in Gefahr geraten, wo wir eigentlich hinwollen. Verstand und Nervensystem arbeiten dann gegeneinander und wir überdenken statt zu handeln. .
Da gibt es noch einen Text, der überarbeitet werden könnte. Eine Website, die noch nicht ganz fertig erscheint. Ein Seminar, das vielleicht die Antwort enthält, nach der sie sucht. Oder einen Podcast, der noch einmal eine neue Perspektive verspricht.
Und ehe sie sich versieht, ist der Tag vorbei.
Sie war beschäftigt.
Und gleichzeitig bleibt das Gefühl zurück, dass das Wesentliche wieder liegen geblieben ist.
Dies ist wohl auch der Grund weshalb Prokrastination im Business so oft übersehen wird. Sie zeigt sich selten als offensichtliches Nichtstun. Viel häufiger tarnt sie sich als Produktivität.
Die alten Regeln, nach denen wir noch immer leben
Während die Frau so redete habe ich sofort gesehen, dass die Prokrastination auf einer alten Wunde beruhte, genau genommen einem zu strengen Vater. Ich fragte sie, ob sie einen sehr strengen Vater gehabt hatte.
Ihre Antwort kam sofort.
„Ja und er war übergriffig.“
In diesem Moment ergab vieles Sinn.
Denn wenn wir als Kinder in Situationen aufwachsen, in denen wir einen Teil von uns abspalten mussten, weil der Schmerz zu gross war, wird unser System kein Wachstum zulassen. Es wird alles dafür tun, das wir nicht auffallen, nicht im Vordergrund stehen und blockiert unseren Erfolg.
Wir lernen statt dessen vorsichtig zu sein, uns anzupassen.
Wir lernen, die Erwartungen anderer früh wahrzunehmen und unsere eigenen hinten anzustellen.
Wir lernen, Konflikte zu vermeiden, nicht aufzufallen.
Und häufig lernen wir auch, bestimmte Gefühle nicht mehr vollständig zu fühlen, weil sie damals zu groß, zu schmerzhaft oder zu überwältigend waren.
Das ist nichts Pathologisches.
Es ist menschlich.
Und oft erstaunlich intelligent.
Denn diese Strategien haben uns geholfen, durch Situationen zu kommen, für die wir damals noch keine anderen Werkzeuge hatten.
Problematisch wird es erst dann, wenn diese Schutzmechanismen Jahrzehnte später noch immer aktiv sind und beginnen, Entscheidungen zu beeinflussen, die mit der ursprünglichen Situation gar nichts mehr zu tun haben.
Dann lebt ein Teil von uns nach Regeln, die längst nicht mehr gelten.
Warum Angst vor Sichtbarkeit oft etwas anderes bedeutet

Viele Unternehmerinnen sagen, sie hätten Angst vor Sichtbarkeit.
Je länger ich Menschen begleite, desto seltener glaube ich, dass Sichtbarkeit selbst das eigentliche Problem ist.
Interessanter ist häufig die Frage, welche Bedeutung Sichtbarkeit im Inneren bekommen hat.
Für die eine Frau bedeutet sie die Gefahr, kritisiert zu werden.
Für die nächste die Möglichkeit, Fehler zu machen.
Für jemand anderen die Angst vor Ablehnung oder davor, zu viel Raum einzunehmen.
Deshalb ist Angst vor Sichtbarkeit häufig viel mehr als die Angst, gesehen zu werden.
Sie ist die Angst vor den Gefühlen, die das Gesehenwerden auslösen könnte.
Und obwohl der erwachsene Verstand weiß, dass ein Social-Media-Post keine reale Bedrohung darstellt, reagiert ein älterer Teil in uns manchmal anders. Dieser Teil erinnert sich weniger an Fakten als an Gefühle.
Genau deshalb zeigt sich Angst vor Sichtbarkeit oft nicht als offensichtliche Angst.
Sie zeigt sich als PERFEKTIONISMUS.
Als ständiges VORBEREITEN
Als ÜBERDENKEN.
Als VERLUST von KLARHEIT.
Oder als das GEFÜHL NOCH NICHT BEREIT ZU SEIN.
Viele Frauen beschäftigen sich dann mit Dingen, die sinnvoll erscheinen und gleichzeitig wenig Risiko bergen. Sie optimieren, planen, lernen und bereiten vor, während die Schritte, die tatsächlich Sichtbarkeit erzeugen würden, immer wieder nach hinten rutschen.
Vielleicht vermeidest du nicht die Aufgabe
Je länger ich über dieses Thema nachdenke, desto mehr entsteht in mir der Eindruck, dass viele Frauen nicht die Aufgabe vermeiden.
Sie vermeiden das Gefühl, das die Aufgabe auslösen könnte.
Denn der Beitrag ist selten das Problem.
Das Angebot ist selten das Problem.
Die Entscheidung ist selten das Problem.
Was häufig vermieden wird, ist das Gefühl von Überforderung, Unsicherheit, möglicher Ablehnung oder Kontrollverlust, das mit diesen Schritten verbunden sein könnte.
Dadurch entsteht eine paradoxe Situation.
Ein Teil der Frau möchte wachsen, sichtbar werden und ihr Business weiterentwickeln.
Ein anderer Teil versucht gleichzeitig, genau das zu verhindern, weil Wachstum unbewusst mit etwas verknüpft wird, das sich nicht sicher anfühlt.
Und so entsteht etwas, das viele als Prokrastination im Business oder als Selbstsabotage erleben.
Interessanterweise ist das, was als Selbstsabotage erscheint, häufig ein Schutzmechanismus, der ursprünglich dafür gedacht war, Sicherheit herzustellen.
Genau deshalb lässt sich Selbstsabotage selten durch reine Willenskraft auflösen.
Der Preis dieses Musters

Was mich daran immer wieder berührt, ist der Preis, den viele Frauen dafür bezahlen.
Natürlich geht es dabei auch um Geld. Wer sich dauerhaft zurückhält, bleibt häufig unter seinem Einkommenspotenzial, spricht Angebote seltener aus und nutzt Chancen nicht, obwohl sie eigentlich vorhanden wären.
Doch der eigentliche Verlust geht oft tiefer.
Mit der Zeit beginnt das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zu bröckeln.
Frauen fragen sich, warum sie trotz all ihres Wissens nicht vorankommen. Sie zweifeln an ihren Fähigkeiten, überlegen immer wieder, ob sie überhaupt weitermachen wollen, und spüren gleichzeitig, dass mehr in ihnen steckt.
Dass etwas gelebt werden möchte und dass sie eigentlich längst bereit wären.
Genau diese Spannung kann unglaublich zermürbend sein, insbesondere wenn immer neue Strategien ausprobiert werden, ohne dass sich das eigentliche Muster verändert.
Business-Wachstum wird dadurch nicht unmöglich, es wird aber unnötig schwer.
Der Weg zurück zu dir
Aus meiner Sicht beginnt Veränderung nicht mit noch mehr Optimierung.
Sie beginnt in dem Moment, in dem wir neugierig werden auf das, was in uns geschieht.
Wann entsteht die Überforderung?
Wann verliere ich meine Klarheit?
Wann beginne ich, mich mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen?
Welche Gefühle tauchen auf, wenn ich sichtbar werden möchte?
Welche Gedanken kommen kurz bevor ich die Entscheidung treffe, die ich seit Wochen vor mir herschiebe?
Solche Fragen führen oft weiter als die nächste Strategie, weil sie den Blick nach innen lenken.
Denn irgendwann wird deutlich, dass es nicht mehr darum geht, noch mehr Wissen anzusammeln.
Es geht darum, wieder bei sich selbst anzukommen, im Körper, bei den eigenen Gefühlen, in der eigenen Wahrheit.
Je mehr wir lernen, mit dem zu sein, was in uns auftaucht, desto weniger müssen wir davor davonlaufen. Und je weniger Energie in Vermeidung fließt, desto mehr Raum entsteht.
Raum für Sichtbarkeit.
Raum für Klarheit.
Raum für Erfolg.
Raum für Business-Wachstum.
Die frau, die frei ist für erfolg

Für mich beginnt Freiheit dort, wo wir aufhören, nach Regeln zu leben, die längst nicht mehr gelten.
Dort, wo wir unseren Gefühlen wieder vertrauen, sichtbar werden können, ohne uns dafür kleiner machen zu müssen, und aufhören, unser Leben nach alten Schutzmechanismen auszurichten.
Dort, wo wir lernen, Raum einzunehmen und zu empfangen.
Und Erfolg nicht nur zu erschaffen, sondern ihn auch zu halten und zu genießen.
Das ist die Frau, die ich die wirklich frei ist für authentischen Erfolg, den sie geniessen kann.
Nicht weil sie keine Ängste mehr hat, sondern weil diese Ängste nicht länger bestimmen, was sie tut oder nicht tut.
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst und spürst, dass Prokrastination im Business, Angst vor Sichtbarkeit oder das Gefühl von Selbstsabotage immer wieder auftauchen, dann liegt die Antwort vielleicht nicht in noch mehr Wissen, noch einer weiteren Strategie oder dem nächsten Business-Coaching.
Vielleicht beginnt die Veränderung genau dort, wo du aufhörst, gegen dich selbst zu arbeiten und stattdessen beginnst, dir wirklich zuzuhören.
Genau dabei begleite ich Frauen in meiner Arbeit.


